Montag, 25. April 2011

Warum heißt es "Gewaltfreie-Kommunikation"?

Zum Buch “Gewaltfreie Kommunikation”: Dieses Buch kennen wir beide – und nutzen es, mal mehr und mal weniger. Was mir allerdings nachwievor daran NICHT gefällt, ist der Titel. Denn eigentlich müßte es doch heißen “Emotionale Kommunikation”. Mich stört das Wort “Gewalt”freie, denn da steckt Gewalt drin, das, was der Autor verhindern möchte mit seiner Sicht der Kommunikation.

Was meinst Du dazu?
VG Evelyn

Diese  Frage stellte mir Evelyn in ihrem Blog. Ich habe von Ihr die Erlaubnis erhalten dies auch hier in meinen Blog zu veröffentlichen. 

Hier meine Antwort an sie:

Was den Titel “Gewaltfreie Kommunikation” betrifft, so möchte ich dir Folgendes antworten:

2006 war ich mit meiner damaligen Freundin in Kroatien. Wir gingen in die Stadt und sind in einen Kaufhauszentrum gelandet. Dort gab es unter Anderem auch Lebensmittel. Diese Lebensmittel sahen *dreckig* aus, weil an manchen noch Erde war, sie sahen *ekelig* aus weil die Bananen ein wenig braun aussahen. Es waren jedoch nicht die Bananen die wir hier in Deutschland kennen. Ich schaute mir das an und sagte: “Das dürften die in Deutschland gar nicht verkaufen, so wie es aussieht!”. Eben, so wie es aussieht. Wir haben uns trotzdem etwas gekauft. Und soll ich dir was verraten. Es schmeckte wundervoll süß. Und die Erde konnte ganz leicht von den anderen Lebensmittel abgewaschen werden.

Würde es emotionale Kommunikation heißen, dann würde es nicht so *drastisch, bildlich* dargestellt werden, dass unsere Kommunikation *gewalltvoll* IST. Denn was hat sie zum Ziel, wenn wir andere *unterdrücken*, *drohen*, *bestrafen*, *zum Gehorsam zwingen*, sie nicht *respektieren*.

Emotionen haben kein Motiv jemanden zu *(be)herrschen* noch sich (be)herrschen zu lassen. Es ist ein Prozess des Körpers, der etwas *Angenehmes* erhalten möchte, oder etwas *unAngenehmes* ins Angenehme zu wandeln. Gewalt ist nicht Emotion. Es würde NIEMALS das ausdrücken was Marshall ausdrücken wollte. Nämlich, ganz einfach: "Unsere Sprache und unsere Gedanken beinhalten *GEWALT*. Ganz einfach “GEWALT”. Und ich möchte diese Gewalt in unserer Sprache *mindern*, *verringern*.". Ich findes es sehr schön, dass es “Gewaltfreie Kommunikation* heißt. Macht es mir jeden Tag deutlich wie gewaltvoll unsere Kommunikation *tatsächlich* ist. Es wird nicht anders, selbst wenn ich es anders benenne.

Und noch ein Gedanke: “Lass dich nicht durch das Äußere, hier das Wort Gewalt, beirren. So wie die Lebensmittel in Kroatien, kommt es auf den Inhalt an. WETTEN?! Und für mich sind es die 4 Schritte die mich dann zu einer *inneren* Haltung verhelfen.

Grüßle Georg

Es kommt wohl auf den Standpunkt an! ;-)

-gm-

Kommentare:

  1. Ja, ich finde den Titel auch sehr treffend, eben weil er deutlich macht, was wir eigentlich nicht mehr wollen - Gewalt (in der Kommunikation und auch in allen anderen Bereichen des Lebens!)

    Zwar heißt es in Spiri-Kreisen, dass wir die Aufmerksamkeit nicht auf das lenken sollen, was wir nicht wollen ... doch dies führt oftmals zu einer weitverbreitten Leugnung und Ignoranz dessen, was ist ... die rosarote-wir-haben-uns-alle-lieb-Brille, unter der eine Menge unterdrückter Gewalt schwelt.

    Und gerade weil der Titel die Aufmerksamkeit auf das lenkt, WAS IST - nämich Gewalt - und zugleich davon frei sein will (bzw. davon freimachen will), besteht so die Gelegenheit, genauer hinzuschauen, hinter die Schleier der Selbsttäuschung, um sich dessen gewahr zu werden, was wirklich gechieht - und dann die entsprechenden Maßnahmen ergreifen, um sich (und andere) davon zu befreien.

    Ich betrachte es als Symbiose von Power and Love, Macht und Liebe - denn das eine ist ohne das andere nicht wirklich hilfreich: Macht ohne Liebe ist zerstörerisch, Liebe ohne Macht ist kraftlos. Lasst uns also kraftvoll lieben und aufrichtig, authentisch gewaltfrei miteinander umgehen.

    Herzliche Grüße Ralf

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  2. Hallo Ralf,

    danke dir für deine Zeilen. Es gefällt mir sehr was du schreibst. Wenn ich weiß was ich NICHT will, kann ich dadurch auch zum Ausdruck bringen WAS ich will.

    Ich hatte mal eine Mutter hier die sich "beklagte", dass ihre Tochter sich nicht mit ihr über einen Konflikt unterhalten wollte. Mit der Begründung: "Ich will mit dir nicht darüber sprechen, weil ich am Schluß eh das machen muss was du willst". Ich bin der Ansicht, dass dieses Kind der Mutter ganz genau gesagt hat was sie möchte in dem sie ihr gesagt hat was sie NICHT will. In diem sie ihr gesagt hat "WAS IST". Nämlich das Untergraben ihrer *eigenen* Autonomie.

    Herzliche Grüße
    Georg

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