Samstag, 16. Januar 2016

Beobachtung vs. Interpretationen, Vermutungen, Gedanken

Anfang letzten Jahres hatte ich eine junge Mentee. Sie wollte unbedingt von mir betreut werden, weil sie das was ich mache als sehr erstrebenswert sah!

Nun, sie erzählte mir, dass sie Tänzerin sei und dass sie eine sogenannte Blacklist führt. Über all das was sie beim Tanzen so erlebt. Ich habe einen Blick auf diese Blacklist geworfen und sie gebeten ihre Geschichten mal aus der "Beobachtungssicht" zu beschreiben. Und nicht aus der "Ich denke, dass" oder "Ich sage mir, dass" -Sicht.

Die Geschichte die ich unten aufführe, ist für mich eines der Beispiele, wie aus so viel Gedanken so wenig "echte" Beobachtung überig geblieben ist. Und genau das macht es aus!

Nicht all das was wir in eine Handlung hineininterpretieren entspricht den "Fakten". Sondern "nur" das was wirklich geschehen ist. Was unsere Augen, Ohren aufnehmen!

Blacklist - ohne Übersetzung, voller Interpretationen, Vermutungen, Gedanken

Dienstag, 23.08.2011
Paar-Impro-Kreis: alle sitzen und schauen zu während Osvaldo völlig selbstverständlich nach eigenem Empfinden aufsteht und sich am Wasserspender bedient wie er möchte! Alle anderen verkneifen sich das bis David eine Pause gibt und Osvaldo macht es einfach. Das zeigt mir, um ehrlich zu sein, wie er so drauf ist. Er nimmt sich mit wenig Rücksicht auf andere was er in dem Moment will!!! Ob bewusst oder unbewusst, das ist jetzt mal beiseite gestellt.
Blacklist - mit Übersetzung. Was habe ich genau gesehen oder gehört
Paar-Impro-Kreis: 30 Leute sitzen und schauen zu. Osvaldo steht auf und holt sich Wasser am Wasserspender.


Ich musste schmunzeln als ich das gesehen habe. Erkennt ihr den Unterschied?

(c) georg mouratidis

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Kommentare:

  1. Kann man beobachten, daß jemand "zuschaut"? Ich halte das auch schon für Interpretation.

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    1. Erst einmal danke, dass du teilnimmst.

      In meinem Artikel steht:

      "Blacklist - mit Übersetzung. Was habe ich genau gesehen oder gehört".

      Es ist sehr wohl möglich wiederzugeben was ich genau GESEHEN habe. Was meine Augen aufnehmen!

      zuschauen, zusehen: den Blick auf etw. richten.

      Sie hat ja nicht gesagt, 30 Leute schauen ganz genau zu (hin). Das genau wäre eine subjektive Interpretation. Doch, ob jemand seinen Blick auf etwas richtet, ist sehr wohl "sehbar".

      Meine Gedankenwelt!

      Und nun, wie denkst du jetzt darüber?

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    2. In meiner Welt ist Zuschauen mehr als den Blick auf etwas zu richten, nämlich auch mit der Aufmerksamkeit dabei zu sein.

      "Den Blick auf etwas richten" wäre in meinem Sprachgebrauch am ehesten "hinschauen". Aber selbst da hätte ich Zweifel: Ist es auch "hinschauen", wenn meine Augen zwar auf etwas ausgerichtet sind, ich aber innerlich so sehr mit mir selbst beschäftigt bin, daß ich gar nicht aufnehme, welche Bilder meine Augen an das Gehirn liefern?

      Wenn ich gerade so über die Angelegenheit nachdenke, sind meine Augen zwar auf den Monitor ausgerichtet (das ist beobachtbar), ich nehme aber das Bild nicht bewußt wahr, und es wird dann auch unscharf, weil die Augen sich entspannen. Man kann mir also nicht unterstellen, ich würde in diesen Momenten auf den Monitor schauen, denn vom Bild kommt bei mir nichts an.

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    3. Es geht in meinem Beitrag NICHT darum ob meine Mentee erkennen kann was du siehst oder was bei dir ankommt. Es geht mir darum, dass sie (meine Mentee) eine klare Beobachtung abgeben soll. WAS SIE (meine Mentee) sieht. Mit ihren Augen wahrnimmt.

      Und genau das ist beobachtbar!

      Und wenn du dir die Mühe machst und beide Versionen liest; hoffe ich doch dass du verstehst um was es hier geht!

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  2. Ich verstehe, um was es geht.

    Allerdings gebe ich zu bedenken: Viel mehr ist Interpretation als wir glauben.

    Wenn Du Beobachtung auf das reduzierst, was die Augen wahrnehmen, dann wird es sehr eng. Die Augen nehmen Farb- und Helligkeitsreize wahr - und das auch noch sehr unvollkommen. Bereits das, was an Licht auf dem blinden Fleck auftrifft (dort, wo der Sehnerv "angeschlossen" ist), wird nicht wahrgenommen, sondern vom Gehirn ergänzt. Wenn wir von dem Bild ausgehen, das wir glauben wahrzunehmen, hat Interpretation längst stattgefunden.

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