Mittwoch, 9. März 2011

Gewaltfreie Kommunikation ist nicht lösungsorientiert?

Diese Frage stellte mir heute eine Bekannte per email nachdem sie meine Seminarankündigung im Netz gelesen hat:

Dort steht Folgendes:

...
„Eine neue Kommunikationssprache, eine Sprache die nicht lösungsorientiert ist und ergebnisoffen an einen Konflikt herangeht.“

Die Frage meiner Bekannten ist:

"Den Satz verstehe ich nicht, bzw. die Formulierung irritiert mich. Insbesondere im Zusammenhang des Nachfolgesatzes. Die GfK ist NICHT lösungsorientiert,  ....  was ist denn die Auflösung in dem Text, wenn es das NICHT ist. Oder hast Du extra einen Holperer eingebaut?"

Ich gab ihr folgende Antwort:

Ein Beispiel aus meiner Praxis
Ein junger Mann - ich schätze 25 - der mich kennt und weiß was ich tue kam auf mich zu und sagte: "Kannst Du mir helfen von meiner Spielsucht wegzukommen?"

Ich antwortete ihm: "Nein, das kann ich nicht!"

Er: "Wie, ich denke du hilfst Menschen?"

Ich: "Nein, ich höre ihnen zu und stelle Fragen"

Er: "Na gut, was kostet es?"

Ich "60 Euro die Stunde"

Er: "Oh, viel zu teuer. Hast Du nicht eine Tipp für einen Freund?" (Er ist Kellner im Leocenter wo ich essen gehe)

Ich: "Bring mir bitte ein Blatt Papier und was zum Schreiben".

Er bringt mir das Papier und geht.

Ich schreibe auf dem Blatt Papier Folgendes: "Nenn mir einen guten Grund weshalb du spielst. Was ist dein Grund/deine Motivation?"

Er kam zurück, ich gab ihm den Zettel und bat ihn seine Antwort darauf zu schreiben. Keine 10 Sekunden später kommt er und sagt: "Das brauche ich nicht aufzuschreiben. Ich kenne den Grund". Er wollte loslegen doch ich stoppte ihn.

"Ich möchte dass du deine Antwort aufschreibst". 

Er sagte: "Das brauche ich doch nicht. Ich weiß es".

Ich: "Ich möchte dass du es aufschreibst!"

Er: "Ich dachte du wolltest mir helfen? Du wolltest mir eine Lösung zeigen!"

Ich: "Nein, das wollte ich nicht. Du hast mich nach einem Tipp gefragt. Das ist mein Tipp und meine Bitte an dich."

Er nahm verärgert den Zettel ging an die Theke und schrieb seine Antwort. Er brachte mir den Zettel zurück und ging weiter arbeiten.

Rat mal was ich gemacht habe?

Genau...Ich schrieb die nächste Frage, gab ihm den Zettel. ohne Worte nahm er ihn, schrieb seine Antwort darauf und gab ihn mir zurück. Das ging so mind. 5x.

Ich bezahlte und ging. Für jemanden anders unvorstellbar, denn hier wird eine Lösung verlangt.

Die *Lösung* kam eine Woche später. Er kam auf mich zu und sagte: "Georg, ich spiele seit einer Woche nicht. Das war sehr klug von dir mich aufschreiben zu lassen. Denn ich habe mich das erste Mal mit dem Mist richtig auseinandersetzen MÜSSEN. Ich habe auch mit meiner Freundin über unser Gespräch gesprochen, was ich vorher niemals getan hätte. DANKE"

--:--

Deswegen liebe R....e ist der GFK-Ansatz NICHT lösungsorientiert. Zu mindest ist das meine Meinung dazu. Ich weiß, du hast es auf marketingtechnisch bezogen. Doch, die die es interessiert werden mich FRAGEN. So wie du es gemacht hast. Die die mich NICHT fragen, haben mich nicht verstanden. Möchten es zu diesem Zeitpunkt vllt. auch nicht. Es ist ihnen nicht wichtig. Sie sind sich (noch) nicht wichtig. VERSTEHST Du? 

--gm-

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen