Sonntag, 16. Juni 2013

Mein erster Tag für den Knast!

Heute und gestern war ich bei einem Einführungskurs mit dem Titel "Warum will ich in den Knast?", welches vom "Fortbildungsverbund Straffälligenhilfe in Baden Württemberg" abgehalten wurde.

Eine gute Frage. Eine sehr gute Frage. Warum will ich in den Knast? Dieser Gedanke kam mir schon vor ein paar Jahren in den Sinn. In den Knast zu gehen! Damals, als ich mit der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) in Berührung kam. Damals war der Gedanke, diese GFK den Inhafierten näher zu bringen. Weil in mir der Gedanke keimte, dass die Exekutive und die Justiz "willkürlich" mit den (Grund)rechten der Inhaftierten umgehe. Ich wollte den Inhaftierten eine Sprache nahebringen wie sie gegen diese Willkür "gewaltfrei" angehen können.

Der Gedanke (v)erblasste nach und nach. Da ich merkte, dass es ziemlcih schwierig ist in den Knast zu kommen. Ich verstand dies nicht. Wieso hält man den Inhaftierten diese Möglichkeit vor? Wieso ist es so schwer da rein zu kommen. Ich verstand das nicht.

Einige Jahre später - Anfang des Jahres - prüften meine Assistentin und ich, wie wir unser Thema - die GFK - auch in die Menschen herantragen können, die sich (meine) Seminare nicht leisten können. Und da kam das Thema "Ehrenamt" auf. Meine Assistentin meinte:" Wieso etwas neu erfinden, wenn es das Ehrenamt gibt?"

Also kümmerte ich mich um das Ehrenamt in meiner Umgebung. Und ich stieß auf die JVA Heimsheim. Nach änfänglichen Schwierigkeiten wurde ich zu diesem Kurs eingeladen. Kosntenlos!


Ich habe mich sofort angemeldet. Ohne darüber nachzudenken. Und so besuchte ich diesen Kurs gestern und heute.

Und ich bereue es nicht. Kein bisschen. Meine "kostbare Zeit" in diesem Kurs verbracht zu haben. Denn es wurden für mich einige Dinge klar, die ich vorher unlogisch und "würdelos" empfand. Ich will nicht sagen, dass es aus meiner Sicht, keine "würdelose" Handlungen gibt. Nur weiß ich weshalb diese so geregelt werden. Ich erfuhr den Unterschied zwischen lebenslänglich und lebenslänglich lebenslänglich und Sicherheitsverwahrung (SV). Ich erfuhr weshalb es diese SV gibt und welche Regularien greifen müssen, bevor jemand in SV geschickt wird. Ich erfuhr, dass Zigaretten und Briefmarken DIE Währung im Knast ist und weshalb wir Gefangenen KEINE Zigaretten und Briefmarken mitbringen dürfen. WAS, schrie ich auf. Warum nicht? Es erschien mir nicht nachvollzihbar. Die Antwort war ernüchternd. Diese Währung bedeutet im Knast "MACHT". Je mehr ein Insasse davon "besitzt" desto mehr Macht heat er. Imn jedem Sinne. In die eine und in die andere Richtung.

Ich erfuhr den Unterschied zwischen Mord und Totschlag. Den Unterschied zwischen einer Straftat und keiner Straftat. Z.B. ist Flucht per se KEINE Straftat. Das ist in Deutschland ein "Menschenrecht". Die (Um)Wege und die Umstände die zur Flucht führen, können eine Straftat bedeuten.

Ich habe erfahren, dass es eine Parallelwelt existiert. Für den der von draußen kommt, ist der Knast eine Parallelwelt. Und für den Knacki ist die Welt da draußen eine Parallelwelt.

Ich habe erfahren welche Tricks und Kreativität sich mancher Inhaftierter einfallen lässt, um "verbotene" Sachen in seiner Zelle zu verstecken. Welche Weg es gibt, von außen "Schmuggelware" nach innen zu bringen. Eine externe Besucherin wurde "verpfiffen", dass sie vorhabe Ware in den Knast zu schmuggeln. Sie holte aus ihrwer Vagina ein Kondom mit 500 Tabletten. Weil man ja weiß, dass die Körperöffnungen externe Besucher NICHT durchsucht werden.

Ich habe selbstgemachte Tauchsieder (aus einem Kabel) gesehen, selbstgemachte Spritzen (aus ein bisschen Plastik und einer Schraube), selbstgemachte Pfeiffen fürs Rauchen (Hasch und/oder Marihuanna). Es ist einfach kreativ :-). aus einer Stinknormalen NähNadel und ihrem Rasierer wird eine Tätowiermaschine gemacht. Und die tätowieren sich alle und bekommen so AIDS und/oder Hepatitis. Weil die Nadel nicht sterili gemacht wird. Deshalb sind solche Nadeln auch verboten.

Deshalb gilt die Regel "Nichts rein und nichts raus!".

Ich habe auch erfahren, dass viele Inhaftierte sich auch jemand von da draußen wünschen, der nicht Bediensteter ist, der ihnen einfach nur zuhört. Bei diesem Zuhören ist jedoch sehr große Vorsicht geboten. Denn es gibt Inhaftierte, die wissen es sehr gut auszunutzen und ihrem Betruer mit Aufgaben zu betreuen, die die Anstallt ihm verbieten würde.

Ich habe wirklich so viel gelernt. Zu verstehen. Ich finde es sehr spannend. Und habe mich entschlossen "ehrenamtlich" für den Knast zu arbeiten.

Ich empfehle jedem diesen Kurs mitzumachen. Alleine aus der Tatsache, dass einige Vorurteile im Keim erstickt werden. Jedoch argumentativ!

(c) georg mouratidis

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