Freitag, 30. Dezember 2011

Gewaltfreie Kommunikation...

  • ist "wertschätzend sein", bzw. "nett sein"
  • heißt, ich darf nicht wütend sein
  • heißt, ich darf keine "negativen" Gefühle haben
  • heißt, ich muss zu jedem und in jeder Situation empathisch sein
  • heißt, ich soll meine Gefühle kontrollieren
etc.

Das könnte jeder jetzt schlussfolgern, doch gehen wir mal nur ganz kurz ins Detail:

GFK ist "wertschätzend sein", bzw. "nett sein"
Wenn ich jemandem sage, dass er meine Bedürfnisse nicht erfüllt, werde ich (Georg) auch oft heftig, laut und deutlich. Das wird oft nicht als "nett" empfunden.
Ich vermute, damit ist die Haltung gemeint, dass ich durchaus bemüht bin, die Bedürfnisse des anderen wahrzunehmen. Aber das muss nicht mit Wertschätzung enden, ich kann Bedürfnisse anerkennen und trotzdem völlig mit beispielsweise einer Tat nicht einverstanden sein (und das auch sagen).
Sei nicht nett, sei authentisch!“ - Marshall Rosenberg -

GFK heißt, ich darf nicht wütend sein
Nicht wütend werden ist Gewalt gegen sich selbst (wie jede Unterdrückung eines Gefühls) und hat nichts mit GFK zu tun. Es geht um Verantwortung. Wie drücke ich meine Wut aus? Übernehme ich die Verantwortung für meine Gedanken (die mich wütend machen) - oder schiebe ich die "Schuld" auf den anderen?
Wut und die "Wolfshow" sind für mich die Schlüssel zu meinen Gefühlen geworden. Wütend sein fühlt sich für mich jetzt lebendig an.

Doch ist es genauso wichtig, dran zu bleiben und zu schauen: welche Bedürfnisse wurden nicht erfüllt, so dass ich Wut spüre? Und was dann spannend ist: welches Gefühl verbirgt sich dahinter? Oft ist es Trauer oder Schmerz. Mit Hilfe der GFK kann ich mir erlauben, auch mal wütend zu sein, mir dann aber auch anschauen, welche nicht erfüllten Bedürfnisse sich hinter der Wut verbergen - und diese so auch heilen, bzw. andere Wege finden, diese Bedürfnisse zu erfüllen oder zu würdigen.

GFK heißt, ich darf keine "negativen" Gefühle haben  
Siehe oben. In der GFK erlebe ich meine Gefühle als gegeben, einfach wie sie sind und suche Bedürfnisse dahinter.
Da ist nichts "Negatives".  

GFK heißt, ich muss zu jedem und in jeder Situation empathisch sein   
Nein, nein und noch mal NEIN. Grundsatz in der GFK ist: Wir tun alles, was wir tun, im Bewusstsein und für unsere
Bedürfnisse. Wenn ich empathisch auf jemanden reagiere, mache ich das auch und nur FÜR MEINE Bedürfnisse (nach
Verstehen, Kontakt, Verbindung). Ich "muss" daher überhaupt nicht empathisch sein, wenn es nicht meinen 
Bedürfnissen entspricht.  

GFK heißt, ich soll meine Gefühle kontrollieren 
 Ich würde zwar schon gerne ein paar meiner Gefühle kontrollieren können (sagt mein Wolf über mich), aber ich
stelle fest, dass ich sie meist nicht kontrollieren kann. Ich kann damit umgehen, sie beeinflussen, aber erst mal sind
sie "einfach da". Was ich merke ist, dass sich durch meine Arbeit im Bereich GFK die Gefühle mit der Zeit zu
bestimmten Situationen erheblich verändert haben. Aber das würde ich nicht als "Gefühle kontrollieren" bezeichnen.

Ich kann doch keine Gefühle einfordern, erst recht nicht etwas, was man nicht tun soll
(sei nicht wütend, sei empathisch, kontrolliere Deine Gefühle)! Ich kann nur um konkrete Handlungen bitten. (siehe
4. Schritt: Bitte = positiv formuliert, konkret und in der Gegenwart) 

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