Freitag, 6. Mai 2011

Was ist eine Wunde?

Heute wurde ich gefragt: "Was ist eine Wunde?"

Wir sprechen hier nicht von einer "körperlichen" Wunde, also nicht von einem Schnitt oder einer Aufschürfung. Wir reden hier von einer "inneren" Wunde. Von einer "seelischen" Wunde.

Für mich persönlich ist so eine Wunde eine eigene, private, mentale Erfahrung. Ein Gedanke. Ich denke, sage mir, ich bin verletzt, weil der oder die, das und das gemacht hat. Meiner Auffassung nach, kann mich niemand verletzen. In der deutschen Sprache würde grammatikalisch der Satz "...ich bin verletzt worden..." heißen. Das impliziert, dass es jemanden gibt den ich verantwortlich machen kann und auch möchte. Für das was mir widerfahren ist. Vllt. liegt das daran, dass wir so denken weil wir so zu denken erzogen wurden. Ich weiß es nicht. Weil wir nicht das bekommen haben was wir wollten. Weil sich jemand nicht so verhalten hat wie wir uns NIE verhalten würden. Weil wir anfangen zu vergleichen. Rückschlüsse ziehen, weil wir dem anderen böse Absicht unterstellen WOLLEN, u.s.w. Ich weiß es nicht.

Würden wir uns jedoch mal die Zeit nehmen und versuchen aufzuschreiben was genau in einem vorgeht wenn "ich mich verletzt denke", dann bin ich überzeugt, dass sowas wie Gefühle und Emotionen hervorkommen werden. Emotionen bei nicht erfüllten Bedürfnissen. Emotionen die mir sagen was ich annehmen möchte und was ich nicht annehmen möchte. Und wenn ich es daraus "lerne", dass es an mir selber liegt, dann, und nur dann habe ich die Chance es zu verändern. Letztendlich ver-Wunden wir uns selber.

Deswegen versuch(t)e ich in den letzten fünf Jahren an dem zu arbeiten. Meinem Gehirn soviel Positives wie möglich zu geben, es sozusagen "füttern", damit mein Mandelkern dem Thalamus in Bruchteilen einer Mikrosekunde ein Schnäppchen schlagen kann. Damit meine Kognition nicht so schnell die Gelegenheit erhält "sich verletzt zu denken".

Ja, es hat oft wehgetan, ich bin oft zurückgerudert, habe alte Pfade wieder eingeschlagen. Doch mein "inneres"* schrie. Ich beging Raubbau an meinem Ich. Am Georg. Also, habe ich mich wieder daran erinnert. Und immer wieder.  Es zu verändern. Dieses *verfluchte* Denken. Und nach und nach spürte ich dass mein Körper viel mehr annehmen konnte und auch wollte. Und das was ich nicht annehmen wollte, habe ich auch ausgesprochen. Manchmal wölfisch und manchmal giraffisch.

Doch eines lerne ich dabei: Niemand anders kann mich verletzen, oder Wunden zufügen. Das kann nur ich ganz alleine. Ja, das sind wirklich meine Gedanken. Ja, davon bin ich überzeugt. Es ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. 

"Wir können uns entscheiden weiter in unserer "Scheiße" zu sitzen, weil sie warm hält. Und uns darüber wundern, dass es stinkt."


Mich würde Eure Meinung dazu interessieren. Wie denkt ihr darüber?

-gm-

Kommentare:

  1. Schön, dass Du über mein Thema geschrieben hast. Danke für Deine Ausführungen.

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  2. Gutes Thema, Georg und Sabine :-)

    Ich geb' einfach mal meine Gedanken dazu (und sie sind auch gleichzeitig meine Erfahrungen):

    Erst einmal ist das m.E. eine emotionale Reaktion auf einen aktuellen Vorfall. Wir erleben eine Situation, die uns in früheren Jahren schon mal begegnete (lediglich in einer anderen Farbe und dennoch genau so heftig), die unverdaut und unausgeschieden ist.

    Wenn wir es schaffen, uns an die alte (ursprüngliche) Blessur zu erinnern, sie anzusehen und anzunehmen als etwas, was zu dieser damaligen Zeit so geschah und wir nicht anders handeln konnten, dann ist es möglich, im Heute die Situation als "neutral" ansehen. Denn haben wir "die Speise" gegessen, verdaut und ausgeschieden. ;-)

    Insofern ist die heutige Situation "Verletzung" dazu da, Altes aufzuarbeiten - und dann erkennen wir, daß die Situation ein Geschenk für uns ist. Sie zeigt uns, wo wir noch Klärungsbedarf in uns haben.

    Drücke ich mich hier überhaupt verständlich aus?

    Herzlichst
    Evelyn

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  3. Hallo Evelyn,

    wenn du mit "Klärungsbedarf" das Lernen auch für zukünftige Situationen meinst, dann stimme ich dem zu. Ich lerne aus meiner "aktuellen" Wunde für meine Zukunft. Annehmen und nicht annehmen! Und lamentiere nicht,

    Es gibt "noch" einen Indianerstamm der folgndermaßen mit so etwas umgeht:

    Jeder Stammesbewohner darf sein Anleigen dem gesamten Stamm vortragen. Der ganze Stamm versammelt sich im Kreis um das Problem des anderen anzuhören. Der Indianer der das Problem hat geht in den Kreis und trägt sein Problem vor. Die anderen hören ihm zu. Der "Vorträger" darf drei mal in den Kreis rein. D.h, er darf den Kreis verlassen und diesen bis zu drei mal wieder betreten. Beim vierten Mal dreht sich der gesamte Stamm um und zeigt ihm den Rücken.

    Weshalb wohl?

    Herzlichst Georg

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  4. Hi Georg,

    ja, auch das meine ich mit Klärungsbedarf - einerseits rückwirkend und andererseits für mein Hier und Jetzt und damit auch für die Zukunft.

    Nette Geschichte :-)

    Er darf noch lernen ...
    Viele Grüße
    Evelyn

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  5. Liebe Evelyn,

    "Erst einmal ist das m.E. eine emotionale Reaktion auf einen aktuellen Vorfall. Wir erleben eine Situation, die uns in früheren Jahren schon mal begegnete (lediglich in einer anderen Farbe und dennoch genau so heftig), die unverdaut und unausgeschieden ist.

    Wenn wir es schaffen, uns an die alte (ursprüngliche) Blessur zu erinnern, sie anzusehen und anzunehmen als etwas, was zu dieser damaligen Zeit so geschah und wir nicht anders handeln konnten, dann ist es möglich, im Heute die Situation als "neutral" ansehen. Denn haben wir "die Speise" gegessen, verdaut und ausgeschieden. ;-)

    Insofern ist die heutige Situation "Verletzung" dazu da, Altes aufzuarbeiten - und dann erkennen wir, daß die Situation ein Geschenk für uns ist. Sie zeigt uns, wo wir noch Klärungsbedarf in uns haben."

    Das hast Du für mich wunderbar und so treffend in Worte gekleidet.

    Danke dafür!!!

    Und für mich ist das absolut verständlich.
    Besser kann man das gar nicht erklären.
    Ist mir direkt aus dem Kopf, meinen Gedanken,
    meinem Herzen und meinen Gefühlen gesprochen.

    LG Sabine

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  6. Danke, liebe Sabine,

    für Deine Zeilen. Ich freue mich sehr, daß Du meine Auffassung nehmen konntest.

    Ich sage gerne "Alles dient mir" - auch wenn das oft und vor allem heftig geprüft wird in meinem Leben. Und natürlich gibt es dann heftigste Reaktionen meinerseits. Doch wenn ich ins Annehmen gehe, dann ist es auch in Ordnung. Ich - und wir alle -üben immer wieder.

    Und ich betitel Menschen, die mich "bedrängen" gerne als A-Engel. ;-)

    Dir liebe Grüße und ganz viele Geschenke, die Dich üben lassen ;-)

    Evelyn

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  7. Hallo Evelyn,

    ja, er darf lernen.

    Doch es ist nicht NUR, dass er daraus lernen darf, sondern auch, dass es einen Punkt geben wird wo mancher nicht mehr *ernst* genommen wird.

    So nach dem Motto: "Ja, wir haben dir zugehört, ja wir möchten dich dabei unterstützen. Doch fang auch irgendwann mal damit an. Wasche deine Wunde aus, lass sie bluten, bluten, bluten. Und wasche sie wieder aus. Und danach ist gut. Kratze nicht ständig an ihr, sodass sie immer wieder blutet. So kann sie nie heilen".

    Herzlichst
    Georg

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  8. Guten Morgen, Georg,

    wir werden erst dann an unsere Wunden gehen, wenn der Preis, den wir bezahlen, uns zu hoch wird. Und wenn 1000 gleiche Erfahrungen vorher notwendig sind, dann sind 1000 gleiche Erfahrungen eben vorher notwendig.Wer will das "Maß" dafür bestimmen? Ich halte es gerne mit dem Spruch "Laufe erst einmal in meinen Schuhen und dann äußere Dich neu".

    Ich bin davon überzeugt, daß es immer irgendwann "den" Moment bei bzw. in uns gibt, wo wir in die Gänge kommen.

    Die einen wünscherschönen Tag, Georg.
    Evelyn

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