Freitag, 25. Februar 2011

Hier meine ganz persönliche Geschichte...

...mit der Gewaltfreien Kommunikation!


"Georg, du warst ein Arschloch. Arrogant, überheblich. Du hast niemanden ausreden lassen. Du hast sofort deine Meinung dem anderen aufgedrückt. Meine Kinder hatten Angst vor Dir. Haben wir gesagt, wir gehen zu Georg, so wehrten sich meine Kinder dagegen. Ja, sie weinten sogar. Und jetzt? Wer hätte gedacht, dass ich jemals so mit dir, einfach so, mit dir, Kaffee trinken gehe, dir so viel von mir anvertrauen möchte, dich anrufen wenn mir was auf der Seele brennt. Es mir eine Freude bereitet, dich spontan anzurufen und fragen ob wir uns treffen. Mit dem Arschloch von früher. Wer hätte damals gedacht, dass in dir so viel Gefühl steckt, du so einfühlsam sein kannst?"

Das waren die Worte die mir meine Bekannte Frauke vor einiger Zeit sagte. Beim Kaffee trinken. Beim Austauschen.

Und ob ihr es glaubt oder nicht: Ich habe es diesen vier Schritten zu verdanken. Erst einmal diesen vier Schritten. Am Anfang sehr statisch, holprig, ich erkannte mich nicht wieder im Sprechen. Aber ich war kompromisslos. Ich gehe diesen Weg, egal wie steinig er ist. Das war meine Überzeugung, und langsam bildete sich eine Haltung daraus.

Die GFK versetzte mich in die Lage, in mich zu hören. Tatsächlich „in mir zuhören“. Sie hat mir dabei geholfen meine Gefühle wahrzunehmen. Und darüber hinaus: Ich konnte sie benennen. Hier war mehr als nur "gut, schlecht". Ich spürte meinen Körper. Ich achtete auf Signale: Mir ist warm, ich schwitze, mir ist kalt, ich zittere. Ein Druck in der Magengegend. Ein Druck in der Brustgegend ... ich konnte meine Gefühle in Worte fassen. Und das war eine Befreiung! Wow, was für ein geiles Gefühl! Ich kann mir mein Gefühl beschreiben. Das kannte ich von früher nicht!

Denn ich habe gelernt meine Gefühle zu unterdrücken. Aus Schutz für mich. Denn jedes Malwenn mich mein Vater verprügelte und ich vor lauter Schmerzen schrie, bekam ich noch mehr. Also lernte ich, meinen Schmerz zu unterdrücken.

Am Anfang redete ich oft mit mir. Und das alles gezielt, ja statisch sogar. Ich ging bewusst diese vier Schritte durch. Manchmal in Gedanken, manchmal laut vor mich hin. Und so habe ich mich „bewusst“ mit mir in Verbindung gebracht. Ich habe erspürt, Schritt für Schritt, welches „Bedürfnis“ sich nicht erfüllt hat. Und für mich war es am Anfang auch so was wie ein Mangel. Bis ich erkannt habe, dass ein Bedürfnis, für mich persönlich keinen Mangel darstellt, sondern etwas „Lebensbejahendes“ ist. Und wenn jemand der Meinung ist, er möchte mit Bedürfnis einen Mangel/Bedürftigkeit erkennen, so darf er das. Wenn er sich dieser „Bedürftigkeit“ bewusst wird, und alles dafür tut, um diesen Mangel zu „beseitigen“ und seine Lebensqualität zu erhöhen. Was ist daran verkehrt? Nennt es doch wie ihr wollt. Ist das wichtig wie das heißt? Was hält uns davon ab, alles Erdenkliche zu tun, um unsere Lebensqualität zu erhöhen?

Nach und nach ging mir das in Fleisch und Blut über.

Ab und zu bemerkte ich an mir selber, dass die vier Schritte wieder durch den Kopf gehen. Wieder statisch. Ich habe dadurch vom Leben ein paar „Watsch`n“ erhalten. Und auch hier wieder hat mir die GFK geholfen, das zu erkennen, und an meiner Entwicklung zu „arbeiten“. Ich lasse „Wolfshows“ zu, ich kann manchmal auch ein böser Wolf sein. Zu mir selbst, aber auch zu anderen. Ich lasse es zu. Auch diesen statischen Ablauf der vier Schritte. Es gibt eben Situationen, in denen ich „nur“ durch die Anwendung dieser Statik mir diese sehr bewusst machen kann. Manchmal setzte ich mich tatsächlich hin und schreibe sie sogar für mich auf. Na und? Wenn es mir für meine Entwicklung hilft?

Und ich spüre nach und nach, dass ich kein Arschloch bin. Ich spüre so eine Freude wenn ich mit diesem Ding da, wie heißt das noch mal, GFK, oder? Keine Ahnung, mich auf andere Menschen einlasse/einlassen kann. Und das ohne irgend ein Erfolgsziel vor Augen.

Gestern ist es mir erst wieder passiert. Bei der Arbeit. Eine Kollegin und ich unterhielten uns über unsere „aktuelle“, private Situation. Plötzlich fing sie an, mir ihren Schmerz zu erzählen. Und sie fing an zu weinen. Sie weinte, schluchzte, brachte kaum ein Wort heraus. Ich nahm ihre Hand, legte sie in meine Hand und hörte ihr zu. Hier war kein Bedarf von vier Schritten. Hier war Präsenz notwendig. Hier war keine Haltung notwendig, hier war einfach nur Herz von Nöten. Ich habe in dieser halben Stunde vielleicht vier Worte gesagt. Zwei davon waren: Ah“ und „Okay“. Mehr war einfach nicht notwendig. Sie erzählte mir über ihre Kindheit, ihre Familie und vieles mehr.

Das, liebe Alle, hat mir „meine“ GFK gelehrt. Wenn es notwendig ist, die vier Schritte statisch einzusetzen, wo es notwendig ist, das Herz einzusetzen, wo es notwendig ist, einfach mal die Klappe zu halten und da zu sein...

Hätte ich diese, wie heißt jetzt das Ding wieder? Ist ja auch egal ... dann hätte ich einige meiner privaten „Probleme“ nicht so „leicht/schnell“ erkennen können UND sie in lebensbejahende Erfüllungen umgewandelt.

Ich danke Marshall, dass er mich mitgenommen hat in seine Gedanken. Und mir ist es mittlerweile scheißegal wie das Ding heißt. Ich gehe diesen Weg. Kompromisslos! Denn es ist mein Weg.
Für mich ist es wichtig, dies noch mitzuteilen: Ich sehe jetzt den Menschen! In mir und im anderen!

Herzlich
Georg

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