Donnerstag, 24. März 2016

"christliches" Geheuchle?

Das ist ein E-Mail Austausch mit jemandem der mich "Freund" nennt. Zudem der Ansicht ist, dass er an Gott glaubt und genau das ihn legitimiert so über andere zu denken! Ich halte diese Geschichte hier fest, weil es mir persönlich zeigt, wie wenig "Nächstenliebe" in denen steckt, die da behaupten an Gott zu glauben. Aber, ihr ach so tolles Selbstbewusstsein, so über andere denken lässt. 
Nein, diesmal kein Moslem. Diesmal ein "Christ". 

Seiner Nachricht ist eine E-Mail von mir vorausgegangen, in der ich ihm mitteile, dass wir uns nicht mehr beim Busfahren treffen werden, da ich ein "Hausverbot" für diese Haltestelle erhalten habe!
Hallo Georg,

Danke für deine Nachricht. Ich muss dir leider sagen, dass ich von Dir auch ein wenig enttäuscht bin seit unserer Diskussion in Facebook. Hatte ich doch den Eindruck, dass du dich irgendwie mit „jedem“ anlegst. Ich fühlte mich durch dich sehr angegriffen und da hast du bei mir einen wunden Punkt erwischt, nachdem wir uns so kurz kannten.  Warum wundere ich mich nicht, dass du ein Hausverbot bekommen hast und die Linie nicht mehr fahren darst. Ich möchte nicht sagen, dass ich das kommen gesehen habe, aber nach deiner Aktion im Facebook sehe ich da Zusammenhänge.

Da frage ich mich, was denn „gewaltfreie Kommunikation“ ist. Was von Dir in dieser Diskussion kam empfand ich sogar sehr gewaltreich.

Ich finde es auch höchst bedenklich, solche politischen Diskussionen in der Öffentlichkeit abzuhalten. Ich habe eine klare Haltung und meine Lebenserfahrung ist fast genausolang wie deine.

Belehren lasse ich mich nicht und von niemandem. Dazu bin ich zu selbstbewusst. Das habe ich nicht nötig.

Deshalb fand ich es auch höchst unpassend von dir zu schreiben „Falsch…. Mein Freund…..“ und dergleichen. 

Auch wenn es in Deutschland (noch) kein Burka-Verbot gibt, sind Großteile der Bevölkerung dagegen. Dies wird sich früher oder später in einem Gesetz wiederfinden. Momentan ist das „toleriert“, weil es auch (noch) nicht zum typischen Straßenbild gehört und somit (noch) nicht akut ist. Das wird sich vermutlich aber ändern, wenn weitere Millionen Flüchtlinge zu uns kommen und parallele Gesellschaften, die faktisch existieren, weiter ausbauen. In anderen europäischen Ländern ist dieses Gesetz schon existierend. Das ist auch richtig so.

Eine Frau in Burka finde ich nun mal in unserem Kulturkreis höchst unpassend und da habe ich keine Bewunderung übrig. Für mich ist das Ausdruck von Sturheit, Ausdruck des NICHT-Respektierens unserer Lebensweise und Ausdruck von Unbelehrbarkeit. Ich finde es salopp gesagt eine Unverschämtheit so bei uns aufzutreten. Das provoziert mich ähnlich, wie ein Moslem, der sich aufregt, wenn eine Frau in Minirock eine Moschee betreten würde. (was für mich übrigens kein Problem wäre…..) Die Gastfreundschaft ist bei mir hier  am Ende. Das religiöse Vermummen der Frau steht  für mich für Unterdrückung, Unmündigkeit und Präsentieren der Zweitklassigkeit jener Frau. Sie steht für verstaubtes Mittelaltertum, für ein Bild, das bei uns seit Jahrhunderten überholt ist.  Ich bin ganz klar für ein Burka-Verbot. Das geht einfach zu weit. 

Dass diese Frau vor Gericht in einer Burka erschien ist für mich ähnlich unpassend und verachtungswürdig wie der Auftritt aktuell von Anders Breivik, der beim Gerichtstermin mit Hitlergruß salutierte.

Den Vergleich von Dir „….das würde aber Jesus nicht gefallen“ fand ich absolut unterirdisch und hatte in dieser Diskussion einfach nichts zu suchen.  Ich würde eine religiöse Meinung niemandem vorhalten, auch wenn er noch so gläubig ist.  Die Frage stellt sich auch gar nicht. Natürlich bin ich christlich und gläubig, das heißt aber noch lange nicht, dass ich danach strebe, exakt wie Jesus zu sein und zu leben. Das verlangt auch der Glaube nicht. Sonst würden wir vermutlich alle ins Kloster gehen.  Der Glaube eröffnet aber Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen. Man muss nicht unendlich tolerant sein. Ich finde es sogar sehr christlich, zu demonstrieren: „Halt….. Eine Vermummung einer Frau ist ein falsches Signal und hat nichts mit der vor Gott gebotenen Gleichheit der Geschlechter zu tun“.

Ich würde aber in der  Öffentlichkeit meine Meinung niemals mit meiner religiösen Haltung begründen. Weil ich weiß, wie provozierend das aufgefasst wird. Vor allem gegenüber anders gläubigen. Daher ist das NICHT-Erwähnen von religiösen Elementen in einer Diskussion für mich ganz klar angewandte gewaltfreie Kommunikation.  Religion, so verstehe ich sie, ist im Stillen zu leben, im Inneren, in Bescheidenheit, in Demut und keinesfalls in der Präsentation nach außen.

Ich habe viele Christen beobachtet, denen die Präsentation nach Außen viel wichtiger ist, als christlich  zu leben. So sind die, die ihren Glauben so sehr nach außen tragen und diesen stark betonen und ihn unterstreichen stets mit Skepsis zu betrachten. So sehe ich auch manche Moslems. Höchste Vorsicht bei denen, die den Glauben sehr nach außen präsentieren.  

Ich bin der Meinung, dass unsere europäische  Kultur in der Welt einen gewissen Fortschritt gegenüber anderen hat. Andere „sind noch nicht soweit“. Die brauchen noch 200-300 Jahre. Wir müssen unser Erreichtes aber vor den Bestrebungen schützen, zurückgerissen zu werden.

Daher gibt es meiner Meinung nach in Deutschland nur einen Weg zu einem erfolgreichen miteinander. Dieser heißt „ANPASSUNG“.  Glauben darf jeder was er will und an wen er will. Solange er sich an unsere kulturellen Regeln hält.

Das ist meine Meinung.

Grüße Rainer
Meine Antwort an ihn:
Nun Rainer,

jemand der soviel Selbstbewusstsein hat wie du, hat es nicht nötig eine so lange Rechtfertigung zu schreiben.

Du hast es teilweise "richtig" formuliert:

...du empfindest es so...
...nach deinem Empfinden...
...du fühlst dich belehrt...
...du bist enttäuscht...

eben! DU!

Aus diesem Grund ist es mir recht, wenn wir das "Biertrinken" nicht weiter verfolgen. Denn mein Selbstbewusstsein sagt mir, dass ich keine Interesse an eine Verbindung habe, in der der andere sich "belehrt" denkt!

Seine Antwort:
Sehr gut formulliert.
Das machen wir so.

Danke für dein Verständnis.
Dir alles Gute weiterhin.

Grüße Rainer

Ich war nahe dran ihm zu antworten und zu fragen, ob er irgend etwas, von dem was ich geschrieben habe, verstanden hat. Ich ließ es bleiben. Nach meinem Empfinden hat ein Mensch, der angeblich ein so starkes Selbstbewusstsein hat, eine Rechtfertigung nicht nötig.  Thema verfehlt. Sechs. Setzen!

Mich persönlich nervt es, wenn Gläubige, andersgläubige vorhalten, wie sie zu sein haben. Hier, die Christen den Moslems. Und dann benutzen sie Wörter wie "Gott", "Liebe", "Jesus", "Nächstenliebe". Welches Geheuchle!

Im aktuellen Fall ging es darum dass eine Frau ihre Burka vor Gericht nicht absetzen wollte. Und ich ihr meinen Respekt gezollt habe. Mit den Worten: "Auch wenn ich dich nicht kenne, ich hebe meinen imaginären Hut vor Dir! Weil du zu deinem Glauben unerschütterlich stehst!!".

Der "tolle" Christ war der Ansicht, verbal auf mich und auf die Frau (die er nicht einmal kennt) einzuschlagen. Dieser tolle und selbstbewusste "Christ", hat sowohl unsere "fb Freundschaft" als auch Teile aus unserem Dialog gelöscht. Tja, von welchem Selbstbewusstsein spricht er? Ich kann dieses Geheuchle der Gläubigen nicht mehr ausstehen!

(c) georg mouratidis

Kommentare:

  1. Lieber Georg.
    Es erstaunt mich immer wieder, wie manche Christen "ihre" Religion verstehen. Mir ist keine "vor Gott gebotenen Gleichheit der Geschlechter" bekannt. Meines Erachtens besteht der Kern des Christentums in der (unbedingten) Nächstenliebe. Und das bedeutet: Auch die Dame mit Burka sollen wir mit ihrer Entscheidung, die Burka zu tragen, lieben und respektieren.
    Auch die Forderung zur Anpassung und das Bekenntnis zur Religionsfreiheit in aufeinanderfolgenden Sätzen wirkt doch sehr befremdlich.
    Eine wichtige Errungenschaft unserer westlich-europäischen Kultur ist meines Erachtens der Liberalismus - die Freiheit jedes Einzelnen. Das betrifft eben auch die Freiheit, sich für eine Burka zu entscheiden. Verachtungswürdig ist da sicher nichts, und der Vergleich mit dem Hitlergruß eines verurteilten Mörders zum bloßen Zweck der Diskreditierung ist sicherlich anmaßend.
    Die Freiheit des Einzelnen beinhaltet auch, auf ein gemeinsames Bier zu verzichten. Da ist nichts Schlimmes dran.
    Vielen Dank für diesen Beitrag!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich danke dir für deine Antwort. Am meisten danke ich dir für deinen finalen Satz!

      Grüßle Georg

      Löschen