Freitag, 30. September 2011

Sein dritter Befehl lautete: "Lächeln!"

Es war zu Beginn des zweiten Irakkrieges, als eine Gruppe amerikanischer Soldaten sich einer Moschee näherte, um mit dem obersten Geistlichen der Stadt zu verhandeln.man wollte ihn um Unterstützung bei der Verteilung von Hilfsgütern bitten. Dabei gab es ein Missverständnis. In der Annahme, die Soldaten wollten ihr religiöses Oberhaupt und das Heiligtum zerstören, rottete sich eine Menschenmenge zusammen.
  Hunderte frommer Moslems umzingelten die Soldaten, fuchtelten mit den Händen in der Luft und drangen schreiend auf den schwerbewaffneten Militärverband ein. Der befehlshabende Offizier, Oberstleutnant Christopher Hughes, dachte blitzschnell nach.
  Er griff zum Megaphon und gab den Befehl >>Aufs Knie!<<, was bedeutet, sich mit einem Bein hinzuknien.
  Dann befahl er seinen Männern, die Mündung ihrer Waffen auf den Boden zurichten.
  Sein dritter Befehl lautete: >>Lächeln!<<
In diesem Augenblick veränderte sich die Menschenmenge. Manche der Leute schrien zwar immer noch, aber die meisten erwiderten das Lächeln. Als Hughes seinen Männern befahl, sich langsam - und weiterhin lächelnd - zurückzuziehen, klopften einige den Soldaten sogar auf die Schultern.
  Diese schnelle Reaktion war das Ergebnis einer verwirrenden Vielfalt sozialer Berechnungen, von Kalkulationen, die in Sekundenbruchteilen vonstatten gingen. Hughes musste den Grad der Feindseligkeit in der Menge einschätzen und überlegen, was die Menschen beruhigen könnte. Er musste auf die Disziplin seiner Männer setzen und auf Vertrauen zu ihm. Abgesehen davon konnte er nur hoffen, dass er sich für die richtige Geste entschieden hat, um die kulturelle und sprachliche Barriere zu überwinden. Dies alles führte zu der blitzschnellen Entscheidung, ein Lächeln zu befehlen.

- Auszug aus dem Buch "Soziale Intelligenz - Wer auf andere zugehen kann, hat mehr vom Leben" von Daniel Goleman -

Wann immer ich die Zeilen in diesem Buch lese kommen mir die Tränen. Einfach deshalb weil ich mir wirklich die Situation bildlich vor Augen führen kann. Und es fasziniert mich wie *nur* ein Lächeln Situationen entschärfen kann. Und diese Geschichte ist tatsächlich passiert. 

-gm-

1 Kommentar:

  1. Endscheidend ist für mich nicht das Lächeln, sondern die positive Grundhaltung des Oberstleutnants. Das Lächeln ist nur das äußere Zeichen, in diesem Fall an die Moslems. Grundvoraussetzung, dass dieses Zeichen ankommt ist die dahinter stehende Grundhaltung.

    Dadurch kommt es authentisch rüber.

    Natürlich war das Vertrauen seiner Männer und die Disziplin ebenso eine wichtige Grundvoraussetzung, um die Haltung des Oberstleutnants "rüberzubringen".

    Eine sehr beeindruckende Geschichte.

    Viele Grüße

    Herbert

    AntwortenLöschen