Freitag, 6. April 2012

Taxi Talk II.

Es ist 00:30. In einer halben Stunde ist endlich Feierabend. Ich freue mich schon weil ich sehr müde bin. Und da, da geht die Tür auf. Ein junger Mann, vielleicht knapp an die 30 geht in die Hocke und fragt mich mit einen russichen Akzent, was es kostet wenn ich ihn nach Bad Canstatt fahre. "Oh", dachte ich. "was will jetzt dieser Russe von mir. Nach Canstatt? Da wirds nix mit 01:00 Uhr Feierabend". Ich sagte ihm, dass ich es nicht weiß und dass ich mit der Uhr fahre. Gott sei dank war mein Kollege dabei und ich fragte ihn was es denn nach Canstatt koste. Er sagte dem jungen Mann, dass es um die 40 Euro kosten wird. Der junge Russe fragte ob ich ihn auch für 30 Euro fahren würde. Ich schaute meinen Kollegen fragend an. Er sagte "Nein, 30 ist zu wenig, Denn mit der Uhr wird es mehr als 40 Euro kosten. Also 35 Euro!". Der junge Russe fragt mich ob ich ihn für 35 fahre. Ich stimmte dem zu. Verärgert weil ich meinen pünktlichen Feierabend davonschwinden sah. Also setzte sich der junge Mann ins Taxi und wir fuhren los!

Todesstille. Niemand redet. Plötzlich spricht der junge Mann über seine Verärgerung über die Bahn. Dass er ein Ticke gekauft hat und jetzt es nicht benutzen kann weil die Bahn nicht kommt. 

An einem Punkt fragte ich ihn ob er in Bad Canstatt wohnt. Er antwortet mir, dass er aus Frankfurt kommt und in Canstatt arbeitet. Für diese Woche noch. Morgen fährt er wieder zurück.

Ich: "Was arbeiten Sie?"
Er: "Ich bin Programmist"
Ich: "Oh, ich habe 25 Jahre Software entwickelt."

Das Eis scheint gebrochen. Wir haben einen gemeinsamen Punkt gefunden.

Er: "Und warum Taxifahrer? Weshalb machen Sie so eine "niedere" Arbeit?"
Ich: "Oh, ich habe mich entschieden mit Menschen zu arbeiten weil mir das sehr viel Spaß macht. Als Entwickler mochte ich die Vorgehensweise mancher Vorgesetzten nicht!"

Er nickte und stimmte mir zu. Er fragte mich was ich denn nun mache.
Ich sagte ihm dass ich als Kommunikationstrainer, Coach und im Konfliktmanagement arbeite.

Wir fanden schon wieder einen gemeinsamen Punkt. Wir redeten über Gott und die Welt. Über das eigene Reflektieren über die Veränderung an einem selber und über Zuhören können.

Er sagte mir dass er Moslem sei, dass er früher nicht an den Koran geglaubt hat und seit Neuem liest er ihn. "Oh" sagte ich "ich habe den Koran zu Hause. Ich habe ihn gelesen." "Und?" fragte er mich. "Gute Sachen drin, oder?".

"Nun" sagte ich. "Es gibt Dinge die mir gefallen und es gibt Dinge die mir nicht gefallen".

Ich habe ihm die Dinge gesagt die mir gefallen und auch die Dinge die mir nicht gefallen. Er versuchte mir seine Sicht der Dinge zu erklären. Er erzählte mir z.B. darüber weshalb es im Islam keine Zinsen gibt. Mir gefiel diese Erklärung, denn ich kannte es und ich konnte den Sinn dahinter nicht verstehen. Oder auch die Umsetzung nicht nachvollziehen.

Am Ziel angekommen gab ich ihm meine Visitenkarte und sagte ihm: "Mir hat das Gespräch sehr gut gefallen. Es war sehr interessant und lehrreich. Ich würd emich freuen von Dir zu hören."

Er antwortete: "Ja, mir hat es auch sehr gut gefallen. Es macht mir Spaß mit einem intelligenten Menschen zu sprechen. Wer weiß, vllt. hören wir wieder voneiander. Ich würde mich freuen!"

"Ich mich auch" antworte ich, nahm das Fahrgeld wünschte ihm eine gute Zeit und fuhr fort.

Und die Moral von der Geschicht? Es war eine schöne, aufschlussreiche Fahrt. Und wie habe ich ganz am Anfang der Reise über ihn gedacht?

-gm-


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