Samstag, 11. Juni 2011

INNERHALB MEINES RAHMENS

Heute war ich wieder im Leocenter, essen. Und natürlich beobachten. Wie es das Schicksal so möchte, setzte sich eine Familie mit zwei jungen Kindern in meinem Umfeld. So, dass ich "alles" hören konnte was sie srpachen. Und genau darüber möchte ich schreiben.

Der Dialog:

Mutter: "Mach den Bügel auf."
Junge: "Warum?"
Mutter: "Weil ich den Kinderwagen draussen parken muss. Ist kein Platz hier."

Der Junge macht den Bügel auf, die Mutter parkt den Kinderwagen und sie sitzen am Tisch. Und jetzt beobachte ich Folgendes:

Mutter: "Nimm die Finger vom Zucker weg!"
Mutter: "Das ist Zucker, das ist nichts besonders. Lass das!" (Sie nimmt den Zucker und stellt ihn ausser der Reichweite des Jungen. Wenn so etwas überhaupt geht, bei so einem kleinen Tisch.)
Mutter: "Lass doch den Gewürzständer in Ruhe!". (Sie nimmt den Gewürzständer und stellt in die Nähe vom Zucker.)
Mutter: "Setz dich richtig hin!"
Mutter: "Trink nicht so schnell!"
Mutter: "Nimm die Finger aus dem Getränk. Das ist nur Eis. Gefrorenes Wasser!"
Junge: "Ich muss aufs Klo!"
Mutter: "Wir waren vorher aufm Klo. Wir gehen jetzt nicht aufs Klo"
Vater: "Wir gehen nach dem Essen aufs Klo."
Mutter: "Nimm die Finger aus dem Käse. Du wolltest Nudeln und das sind Nudeln. "Iss jetzt!"
Mutter: "Ich habe gesagt, nimm die Finger aus dem Käse!"
Mutter: "Es kommt drauf an wie ihr euch benehmt, dann können wir das machen. So aber nicht!"

Es ging mind. eine halbe Stunde lang so. Bis ich nicht mehr konnte. Ich nahm meinen Mut zusammen und fragte die Mutter: "Darf ich Sie etwas fragen?"

Mutter: "Ja!"
Ich: "Ich beobachte jetzt, dass seit sie hier sitzen, sie dem Jungen nur Verbote aussprechen."
Mutter: "Ja!
Ich: "Können Sie sich vorstellen wie sich das Kind dabei fühlt?"
Mutter: "Das ist mir egal. Er darf sich verhalten wie er möchte. Jedoch innerhalb meines Rahmens!"
Ich: "Denken Sie dass das den Jungen selbständig machen wird?"
Mutter: "Das weiß ich nicht. Das werde ich wissen wenn er Erwachsen ist!"
Ich: "Ist es dann nicht zu spät?"

Sie schaut mich erstaunt an. Ich sage ihr: "Ich möchte mich nicht in Ihre Erziehung einmischen..."
Mutter: "Das tun Sie aber!"
Ich: "Wenn ich mich einmischen wöllte, würde ich Ihnen sagen, was Sie wie tun SOLLEN. Das habe ich jedoch nicht gemacht. Ich sage Ihnen was ich beobachte. Und dabei tut mir der Junge sehr leid. Denn wenn sie solange warten bis er erwachsen ist, dann ist es definitiv zu spät.

Sie drehte sich um und schaute weg. Ich beobachtete wie der Vater seine Augen verdreht hat. Ich weiß nur nicht ob er zustimmend  die Augen verdrehte, oder ob er sie verdrehte weil ich es gewagt habe etwas zu sagen. Weiter habe ich beobachtet, dass die Mutter in der nächsten 1/2 Stunde in der sie dort noch saßen und aßen keinen Ton mehr an ihren Jungen gerichtet hat. Ich meinte jetzt keine Verbote. Ich weiß nur nicht, ob sie es gerne schon täte. Es jedoch nicht tat weil ich ja immer noch da saß.

Mich hat das Ganze ein bisschen - viel - irritiert. Eine Mutter sagt, dass sich ihr Kind innerhalb Ihres Rahmens zu bewegen hat. Und sie wisse erst, wenn der Junge erwachsen wird, ob ihre Erziehung ihn zur Selbständigkeit geführt hat. Oder eben nicht.

Wenn eine Mutter eine geschlagene 1/2 Stunde ihren Jungen nur mit Verbote und Befehle "bombartiert" dann lässt es die Vermutung nahe, dass das kein Einzelfall ist. Armer Junge!
Ich habe kein einziges Mal gehört, dass sie den Jungen um etwas gebeten hat. Hm?


Kommentare erwünscht!

-gm-

1 Kommentar:

  1. Diese Kind wird es sicher schwer haben, seine Verantwortung selbst tragen zu können oder zu wollen. Vermutlich wird er Befehlsempfänger bleiben, wenn er nicht vorher ausrastet und seine eigenen Wege geht.
    Es gibt zum Glück auch andere Beispiele.
    Ich wünsche mir auch so manches Mal, dass ich den Mut hätte, auf diese Menschen zuzugehen ...
    Liebe Grüße
    Martin

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