Sonntag, 15. Mai 2011

Ich hatte heute ein Date...

...mit einer Frau? auch, ja.

Ich hate heute ein Date mit mir selbst. 
Doch alles der Reihe nach:

11:00 am Aichelberg. Ich habe ein "blind date" mit Helene. Ich nenne sie Elena, nach der griechischen Mythologie von Paris und Elena. Ein "blind date" ist so ein Treffen bei dem man(n) nicht weiß wie der andere - also hier die Frau - aussieht. Kein Bild, nüx. Ich mag diese Dates. Sie sind so unbefangen und nicht beeinflußt durch das "Äußere". Ich mag den Überraschungseffekt, wenn man sich gegenübersteht. Zu beobachten wie der Mensch - hier der anderen - reagiert. Zu erspüren wie ich selber reagiere. Beim Anblick, beim ersten sehen, beim Gegenüberstehen.

Es ist noch zu früh um in das Cafe reinzugehen. Es macht erst um 12:00 auf. Wir beschließen in das Ortsinnere - also in die Stadtmitte - zu gehen. Berg auf. Puuh. Sie läuft vor mir her. Hm? Sie erzählt von ihrem Golfspielen. Es ist interessant. Ich höre ihr zu. Sie redet. Ich sage ab und zu etwas. Ich weiß nicht ob das daran liegt, dass ich nicht zu Wort komme, oder ob ich einfach gespannt zuhören möchte. Ich höre zu.

Ich kürze jetzt einfach mal ab. 
Wir sehen das Schild "Panoramablick Restaurant". Wir beschließen dort hin zu laufen. Puuh es wird immer weiter und weiter. Der Berg hört nicht auf. Oh mein Gott. Plötlich nehme ich einen "zitronigen" Duft wahr. Ich bleibe stehen. Ich rieche an der Rose in einem Garten. Ist das der zitronige Geruch? Ja, das ist er. Ein sehr intensiver, doch lieblicher, kein durchdringender Geruch. EInfach schön. Sie kommt dazu. Sie riecht auch daran, und bestätigt: "Ja, die riechen sehr schön". Plötzlich kommt ein Mann um die Ecke. Mit einem Bart. Wie ein Prophet den ich aus der Bibel - Bibelgeschichten - her kenne.
Ich frage ihn nach der Rose. Wie lange sie schon blüht, wie lange sie schon hier eingepflanzt ist. Er antwortet mir mit einer sehr sanften, ruhigen Stimme. Er sagt mir wie sie heißt: "Er sagt, das ist eine Gloria Dei. Ehre sei Gott, oder die Freude Gottes.". Er fügt hinzu: "Sind sie länger unterwegs?". "Ja, antworten wir". "Auf dem Rückweg können Sie sich eine oder zwei einfach abknicken. Oder klingeln Sie einfach un dich schneide Ihnen welche ab.". Wir bedanken uns und laufen weiter. 

Plötzlich sehe ich Schnitzereien - in seiner Werkstatt -. Ich halte an. Er kommt dazu. Ich frage ihn, on er Künstler sein. Er antwortet mir: "Gelernt habe ich Architekt. Doch irgend wann kam ich in Berührung mit der Holzschnitzerei". Dann erzählt er uns wie er dazu kam, was er so macht. Ich erzähle ihm davon, dass ich Akt- und Portrait zeichne. Es wird ein sehr interessantes Gespräch. Und wieder verabschieden wir uns. Wir laufen weiter. Da plötzlich steht eine Skulptur, und eine Art Kugel. Sie sieht einfach wundervoll aus. Daneben ein Engel - eine andere Skulptur -. Ich frage ihn ob das eine Wurzel gewesen ist. 

Er kommt wieder zu uns und erzählt uns davon, dass diese Wurzel zwei Tonnen wog. Er erzählte uns wie er zu dieser Wurzel kam und wie schwierig es war sie mit einer Eisenstange zu gewegen. Es ging nämlich nix. Gar nix. Ich glaube mich erinnern zu können, dass er sagte er habe 2,5 Jahre daran gearbeitet und drei Kettensägeblätter stumpf gemacht zu haben. Ich war erstaunt darüber. Plötzlich zog ich meine Visitenkarte und überreichte sie ihm mit den Worten: "Ich weiß nicht weshalb ich das tue. Ich habe gerade dass innere Bedürfnis das zu tun!". Er nahm sie, schaute sie sich an und steckte sie in seine Hemdsbrusttasche. Im Laufe unseres Gesprächs sagte ich ihm: "Sie laufen Gefahr, dass ich Sie anrufe." Er nickte mit dem Kopf als wolle er sognalisieren: "Ja, gerne!". Und dann zog er seine Karte und gab sie mir.

Ich spürte eine innere Ruhe in diesem Mann. Und sie war ansteckend. Ich sagte: "Daf ich sie etwas indiskretes fragen?" Er nickte, als wolle er sagen:" Bitte, gerne". "Wie fühlen Sie sich", war meine indiskrete Frage. Er sagte. "Als eine Einheit. Seit ich mal meinem Schöpfer ganz nahe gekommen bin, und weiß das hier alles nur geliehen ist.". "Ich spüre Sie", sagte ich zu ihm. "Verstehen Sie was ich sagen möchte?" habe ich ihn gefragt. Er nickte, als wolle er sagen: "Ja, das tue ich!". Er erzählte und von seinem Nahtoderlebnis. Ich war gefesselt. Ich spürte seine innere Ruhe, seine Einheit. Ich wollte was sagen. Ich bekam eine Gänsehaut, mir wären fast die Tränen gekommen. Ich konnte sie zurückhalten. Nein, nicht das WAS er erzählte, sonder wie er es erzählte, welche Worte er benutzte. Es war ansteckend. Ich versuchte wieder was zu sagen. Ich konnte nicht. Es war wie eine sehr starke Kraft die ich spürte. Als wenn seine "Glückseligkeit" mich berührte.Ich bekam kein Wort heraus.Ich hörte ihm einfach zu. Ich dachte mir: "So kann nur jemand sprechen, der wirklich eine Einheit ist.". "Ich spüre Sie", sagte ich irgendwann wieder, als ich wieder "da" war. "Ich könnte mich mit Ihnen hier Stundelang unterhalten und ihnen zuhören.". Er sagte: "Deshalb habe ich Ihnen meine Karte gegeben.". So etwas nennen andere "Seelenverwandschaft". Wenn dieser Mensch eine Frau gewesen wäre, würde ich sagen, ich habe mein Gegenstück gefunden. Leider war das nicht so. 

Dieses Erlebnis ist sehr selten zu finden. Es sucht dich nicht jeden Tag heim. Du mußt sehr aufmerksam sein um das wahrzunehmen. Das ist etwas seltenes und wundervolles. Dieses Erlebnis, diese innere "Ruhe", durfte ich vor genau einem Jahr schon mal erleben. Es war das gleiche Gefühl. Etwas von Leichtigkeit, wie Schweben. Einfach wundervoll. Ich danke diesen beiden Menschen die in  mir dieses Gefühl ausgelöst haben. Denn , durch das Erlebnis letztes Jahr war ich heute in der Lage es wieder wahrzunehmen. Von einem Mann. Na, und? 


Es ist nicht möglich annähernd mit Worten zu beschreiben was ich gefühlt habe. Es ist auch nicht unbedingt nötig. Denn, es könnte passieren, dass dieses Erlebnis dadurch "zerstört" wird. Ich behalte es in mir.

Ich werde ihn anrufen. Mit Sicherheit. Ich werde versuchen mit ihm in Kontakt zu bleiben. 

Was ist mit Elena? Äh Helene! Wir werden den Kontakt halten, wir werden uns wieder sehen. Denn der Tag war sehr schön. Wir haben Gespräche geführt wie wenn wir uns schon lange kennen. Doch wir haben festgestellt, dass die Chemie nicht passt. Für mehr. Auch dir Elena ein "Danke" für diese Erfahrung. Denn hätten wir kein "blind Date" heute, hätte ich kein Date mit mir selbst gehabt.

Herzlichen Gruß
Georg

Bilder zu "Gloria Dei" 
(Achtung: Die Rechte der Bilder und der Quellverzeichnisse liegen beim jeweiligen Inhaber)

- gm -

Kommentare:

  1. Lieber Georg,

    ich freue mich sehr für Dich, daß Du diese Erfahrung machen durftest. Ich sag doch immer wieder gerne "Alles kommt zur rechten Zeit" - so auch heute wieder durch diese Zeilen von Dir die Bestätigung. Schön, daß Du dafür offen warst.

    Liebe Grüße Dir
    Evelyn

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  2. Hallo Evelyn,

    ja, es war eine wundervolle Erfahrung. Interessant für mich war auch, dass die gleiche Erfahrung exakt auf den Tag genau vor einem Jahr war.

    Grüßle
    Georg

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