Dienstag, 26. April 2011

Wort, Gedanke, Emotion, Gefühl. Was ist als erstes da?

Hi Georg,
Du bringst einen interessanten Gedanken ein – nämlich dass vor jedem gesprochenen Wort ein Gedanke steht.
Hmm, da bin ich mir unsicher. Ist es vielleicht eher so, daß erst einmal ein Gefühl da ist und der “Denker” in uns auf die Worte zurück greift, die er bislang nutzte, um auf das Gefühl zu “re”agieren?
Mal schauen, was Deine Sicht dazu ist ;-)
Schöne Ostertage noch
Evelyn


Diese Frage hat mir Evelyn in Ihrem Blog gestellt. Hier meine Antwort dazu:

Hallo Evelyn,

Du forderst mich ganz schön heraus. Das sage ich mit Freude. Mit sehr großer Freude sogar.

Nun, zu Deiner Frage.

Zugegeben, das Wort "Gedanke" ist etwas zu wenig ausgeführt um hier klarzumachen was ich sagen möchte. Ich habe das Wort "Gedanken" benutzt um eine Brücke zu Deinem Wort "gedankenlos" zu schaffen. Ich ging davon aus, dass Du selber genau weißt was du mit "gedankenlos" ausdrücken möchtest. Ich verstehe jedoch Deine Frage. Ich werde jetzt einfach schreiben was mir dazu einfällt. Bringe es bitte für dich in die "richtige" Reihenfolge.

Nenne es wie du möchtest. Gefühl oder Erinnerungen. Und hier sind wir nicht so weit auseinander. Ich nenne es "Konditionen", "Erfahrung", "meine persönliche Vitae", "meine Wertevorstellung", "Eriehung", "Dogmen", "Angst", "Sicherheitsbestreben", "Glaubenssätze", u.s.w. Dies alles wurde von unserem "Gehirn", von mir aus auch "Geist" - ich bevorzuge jedoch das Wort Gehirn - in unseren Nervenzellen gespeichert.

Und auf diese Erfahrung greifen wir zu. IMMER. Bewusst und auch unbewusst. Wahrscheinlich eher ins Unterbeusste als ins Bewusste. Denn wie käme ein Asdruck von "Scheiß Ausländer" aus meinem Munde wenn es solche oder ähnliche "Gedanken", "Erfahrungen" sich nicht in mein Gehirn eingebrannt haben. Wie käme ein Ausdruck von "ich liebe dich" aus meinem Munde wenn sich das nicht in meinem Gegirn eingebrannt hat/hätte. Und da wir im Fall "ich liebe dich" auf unseren unbewussten Fundus greifen, denken wir, wir wären gedankenlos. Doch das ist mit Nichten gedankenlos. Es geschieht unbewusst. Mir unbewusst. Dass dahinter ein riesen Prozess stattfindet das streite ich nicht ab. Nein, ich unterstreiche diese Aussage sogar. Eben hinter verschlossenen Türen meines Gehirns. Ausserhalb des Zugriffs meines Intellektes. Meines Bewusstseins.

Du sprichst von Gefühlen.
Wie entsteht ein Gefühl? Ich möchte es jetzt nicht auf die biologische Ebene bringen. Denn dann würde ich dir sagen, dass ein Gefühl ein Nebenprodukt des Emotions-Prozesses ist. Das würde jedoch zu weit führen.

Ein Gefühl entsteht durch eine Erwartungshaltung in einer bestimmten Situation. Ein Gefühl entsteht dadurch wie ich eine Situation "bewerte". Wie ich meine Wertevorstellungen erfüllt sehe, oder nicht erfüllt sehe. So ist es auch möglich einer "Emotion", einem "echten Gefühl" auch ein Wort zuzuordnen. Doch niemals einem Wort ein Gefühl. Und hier setze ich an, was das gesprochene Wort betrifft. Erst unsere jahrelange Erfahrung, Entwicklung hat uns dazu *genötigt* eine Sprache, im Sinne des gesprochenen Wortes, zu entwickeln.

Denn der Vorteil dadurch war; sich mit anderen auszutauschen, dem anderen nahezubringen was ich ausdrücken möchte. Damit "mein rot" auch als "rot"
beim anderen ankommt. Von mir aus kommt es beim anderen als "sein blau" an. Weil er vorher schon diesem Zustand das Attribut "blau" verlieh.

Doch hier gehen wir eine Vereinbarung ein: Wenn wir diesen Zustand, dieses Etwas, dieses Ding meinen, dann einigen wir uns auf das Wort "ro(tb)lau" ;-)

"Ich Tarzan, du Jane". Jeder von den Beiden wusste ganz genau wer er ist. Dafür brauchte es kein gesprochenes Wort. Doch das war z.B. nötig, um Tarzan herbei zu rufen wenn Jane in Gefahr war. Wenn Jane in Gefahr war, weil ein Löwe nun vor ihr stand. So half es ihr nicht, einfach an Tarzan zu denken. Sie weiß ja was sie mit dem "Etwas" - was beide Tarzan nannten - verband. Woher weiß sie das aber? Na, weil es so *gesprochen* wurde, und weil eine Zuordnung stattfand. "ICH Tarzan, DU Jane". Schreit sie jetzt nach Hilfe, in dem sie das Wort benutzt welches ausgemacht war, dann ist das nicht gedankenlos. Das ist sehr bedacht gewählt. Vllt. in diesem Fall unbewusst. Sie hat keine Zeit "bewusst" sich darüber Gedanken zu machen. Das würde vllt. zuuu lange dauern und der Löwe hätte eine schöne Mahlzeit.

Deswegen bin ich der Ansicht, dass jedem "gesprochenem, und natürlich auch dem geschriebenem" Wort IMMER ein Gedanke - ein Zugriff auf unseren inneren Fundus - vorausgeht.

Zum Schluss noch ein anderes Beispiel: "Wenn ich denke, dass es so etwas wie "eine gute Hausfrau" gibt, dann werde ich das auch so sagen". Wenn ich an so was wie "Minderheiten" denke/glaube, dann werde ich behinderte Menschen als "Minderheiten" ansehen. Wenn ich "denke" dass jemand der sein Zimmer nicht aufräumt eine "faule Drecksau" ist, dann werde ich diese Worte auch benutzen. Sagen. Weil ich eine "Zuordnung" mache. Und diese Kombination brennt sich in meinen "Gedanken" ein. Doch wenn ich all das nicht denke, dann werde ich es auch nicht sagen, nicht aussprechen können, weil ich nicht so über andere DENKE.

Ich habe mich mit meiner behinderten Tochter austauschen können. Obwohl sie nicht sprechen kann. Doch sie - ihr Gehirn, ihr Inneres, ihr Geist - konnte auf ihren "Fundus" zurückgreifen und wusste: "Das was vor mir steht,  tut mir gut". Was aber sie genau mit gut meinte, dass bleibt mir verborgen. Biologisch, wurde der Prozess der in ihrem Körper ablief, von ihrem "Gehirn" als anNehmbare Emotion abgespeichert. Und sie hat für sich diesem "Etwas" einen Laut zugeordnet, erfunden, entwickelt, mir ihre "Freude" zu zeigen. Ich dafür, habe ihre Reaktion in meinem "Inneren" als "meine Freude" abgespeichert.

So haben wir eine *mutual agreement" gefunden, wie wir unsere "Freude" dem anderen zeigen konnten. Sie hat auch einen Laut entwickelt der mir signalisierte, dass da ein Prozess abläuft den sie nicht annehmen möchte/kann/will.

Beide Zustände konnte sie mir auch ohne Laute zeigen. Nämlich durch ihre Mimik. Es bedarf also kein einziges "gesprochenes" Wort um etwas auszudrücken.

puuh, jetzt bin ich gespannt. Konntest Du folgen?

EMPATHIE geschieht auch ohne ein einziges Wort auszusprechen. Es ist die innere Haltung, die das möglich macht. Und diese innere Haltung wird *trotzdem* von unserem Gehirn gesteurt. Ja, das ist meine Meinung.


Grüßle Georg

PS: Ich könnte jetzt auch fragen: "Was genau meinst du mit gedankenlos?" *zwinker*


-gm-

Kommentare:

  1. Nun ja, lieber Georg ... gedankenlos ist für mich ohne nachzudenken, einfach aus einem Gefühl heraus, aus Spontanität, aus Macht der Gewohnheit, als Reflex, ... ;-)Da gibt es ganz, ganz viele Beweggründe für.

    Langt Dir diese Antwort?
    Herzlichst
    Evelyn

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  2. Nun ja, liebe Evelyn. Als eine Antwort genügt mir das. Ja, aber: "Gefühl" und Gedanke schließen sich nicht aus. Kein Gefühl ohne einen Gedanken(ohnen einen Anlaß). Keine "Handlung" ohne "Gedanke".

    Was um Himmels willen löst eine "Spontanität" aus? Was löst die "Macht der Gewohnheit" aus?
    Was deinen Reflex. Ja, es gibt viele Beweggründe. Woher kommen diese "Beweggründe"?.

    Für mich kommen diese aus deinem "Unterbewusstsein". Das auch ein Teil deines "Gehirns" ist. Für unseren Intellekt mögen wir "gedankenlos" handeln. Weil er das gar nicht mitbekommt. Und bis er es mitbekommt ist meistens alles wieder vorbei.

    Niemand handelt gedankenlos. Denn, dann würde er seine "Gefühlswelt" ausschalten. Das lässt das Gehirn nicht zu. Es sein denn, es ist Hirnkrank. Wie z.B. bei einem Autisten.

    Du hast mich in deinem Blog-Artikel gefragt, ob wir denn nur "unser Gehirn" sind. Kommt darauf an aus welcher Sicht du eine Antwort möchtest. Du hast geschrieben: "Ich frage mal provokativ". Ich antworte mal "intellektuell provokativ": Ja, wir sind nur unser Gehirn. Im Grunde sind wir nur unser Gehirn.

    Herzlichen Gruß
    Georg

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  3. Ich schmunzel so leise vor mich hin, Goerg! Was macht Dein Gehirn, wenn Du in die Stille gehst? z.B. beim Meditieren, beim Schlafen, beim 6? Nun, auch wenn ich alles, was Du hier schreibst, nachvollziehen kann, so ist meine Sicht, daß wir ein Gehirn haben doch NICHT das Gehirn sind.

    Und ich stimme Dir absolut zu, daß wir alles aus verschiedenen Perspektiven sehen und es NICHT "die" Antwort gibt.

    Herzlichst
    Evelyn

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  4. Wenn ich schlafen gehe, sorgt das Gehirn weiterhin dass ich atme, dass mein Kreislauf weiter funktioniert. Vllt. lässt es mich träumen. keine Ahnung. Und was mein Gehirn beim 6 macht? Das werde ich dir nicht verraten. Vllt. lässt es mich an etwas anderes *denken*. :-).

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