Sonntag, 16. Januar 2011

You are listen too fast!

Diesen Satz habe ich auf einem GFK-Video im Netz gelesen. Und er gefällt mir sehr.

Und dieser Satz kam mir gestern, bei meinem GFK-Infoabend, in Erinnerung.
Ich war dabei die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation zu erklären.

Eine Teilnehmerin hat sich bereit erklärt mit uns ihren speziellen Fall zu diskutieren.

Sie erzählte:"Mein Kollege macht mich vor anderen Kollegen nieder!"
 
Ich: "Kannst du bitte eine reine Beobachtung wiedergeben, ohne eine Bewertung!"
 
Sie: "Das verstehe ich nicht. Ich sag doch, dass er vor versammelter Mannschaft mich schlecht   macht"
 
Ich: "Das ist nicht das was du siehst, das ist das was du glaubst zu sehen. Das ist das was du für dich so interpretierst. Also, noch einmal: 'Was genau hast du gesehen oder gehört?'"
 
Sie: "Tut mir leid, ich bin überfordert. Das ist das was ich gesehen habe. Was anderes kann ich dir nicht sagen."
 
Ich: "Stell Dir vor, dass du die Situation mit einer Kamera aufnimmst. Was also nimmt diese/deine Kamera auf. Gib es mit Worten wieder. Mach einen Schwenk über die ganze Situation und zeig es uns!" 

Sie: "Mein Schwenk zeigt einen Menschen der jemand anderen vor vielen Menschen niedermacht." 

Nach einer Weile hin und her, sagte ich: "Ich möchte euch jetzt die reine Beobachtung wieder geben. 'Der Kollege X sagt in einem Meeting mit 20 Menschen Folgendes: 'Viola du hast hier einen Fehler gemacht!" 

Ein anderer Teilnehmer des Infoabends sagt: "Du möchtest uns sagen, dass wir schnell in die Bewertung gehen, ja!?" 

Ich: "Genau, das möchte ich! Wir sind es so gewohnt gleich in eine Bewertung, Analyse, Diagnose, Interpretation zu gehen! Und noch weit mehr. Wir hören dann nihct weiter zu was der andere sagt. Oder um was es dem Anderen dabei geht. Wir haben sehr schnell zu Ende gehört!" 

"In der Tat, we are listen too fast!" 

Die Teilnehmer: "Puuh, das ist ganz schön schwer!"

In der Tat: "It's simple but not easy"

-gm-

Kommentare:

  1. "you are listen to fast" .... was soll das bedeuten???? versteh ich nicht. wie heißt das Original-Zitat??? in Deutsch oder Englisch???

    dies Beispiel zeigt wieder mal wie wichtig es ist ohne Bewertung zu beobachten und die Unterschiede zu kennen.

    So wie ich neulich jemandem das konkret beobachtbare Verhalten einer Person schilderte, und die Antwort war "der ist faul" - ich "nein, der macht es so und so, bzw. macht dies und jenes nicht" - Gegenüber "sag ich doch, der ist faul" .....

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  2. Hallo an Anonym:

    Das Originalzitat heißt: "You are listen too fast!". Übersetzt würde es sinngemäß bedeuten: "Du hörst zu schnell...zu...:". Soll heissen, du hörst nicht zu Ende was der andere dir mitteilen möchte.

    Konnte ich Deine Frage beantworten?

    Herzlichen Gruß
    Georg

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  3. Georg: "Ich: Kannst du bitte eine reine Beobachtung wiedergeben, ohne eine Bewertung!"

    Was sagt Dir, Georg, dass hier eine Bewertung vorliegt? Unterscheidet hier nicht auch ein bewertendes System?

    Da Wirklichkeit Interpretation / Metapher ist, abhängig vom Wahrnehmungs- und Sinnessystem des Betrachters, ist jede Beobachtung doch auch Interpretation?

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  4. Nicht die "Beobachtung" ist eine Interpretation, sondern was wir aus dieser Beobachtung machen/deuten.

    Interpretationen, Deutungen (Versuch, den Sinn in einem Sachverhalt zu erschließen, den tieferen Sinn des Handelns eines Menschen zu begreifen)

    Hier könnte doch jeder, dessen Verhalten ich interpretiere sagen: "Nö, so ist das nicht. Das siehst Du so. Ich habe aber das so oder so gemeint."

    Sage ich jedoch: "Der Kollege X sagt in einem Meeting mit 20 Menschen Folgendes: 'Viola, du hast hier einen Fehler gemacht!'"

    Hier gebe ich genau das wieder was der Kollege gesagt hat. Vorausgesetzt natürlich dass er das gesagt hat. hier interpretiere oder deute ich nicht. Denn jeder der 20 Mitglieder wird sagen können: Ja, Kollege X hat gesagt: "Viola, du hast einen Fehler gemacht!".

    Viola könnte dann sagen: "was anderes sage ich ja nicht!"

    Die Aussage:
    "Mein Kollege macht mich vor anderen Kollegen nieder!" ist eine Deutung des verhaltens des Kollegen X. Und das muss per se nicht sein, dass er mit seinem Verhalten jemanden nieder macht, geschweige nieder machen möchte". Das sind die Gedanken von Viola. Und hier kann das jeder der 20 TN es für sich anders sehen.

    Wie denkst Du jetzt darüber?
    Gruß Georg

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  5. "Interpretationen, Deutungen (Versuch, den Sinn in einem Sachverhalt zu erschließen, den tieferen Sinn des Handelns eines Menschen zu begreifen)"

    Da wir alles über unsere Sinne aufnehmen, und jeder Sinn ein Filter darstellt, ist jede Beobachtung einer Situation sinnbehaftet und stets ein indirektes Erfahren von Wirklichkeit.

    "Hier gebe ich genau das wieder was der Kollege gesagt hat. Vorausgesetzt natürlich dass er das gesagt hat. hier interpretiere oder deute ich nicht."

    Hier ist der "Knackpunkt" für mich: "Vorausgesetzt, dass er das gesagt hat".
    Vielleicht ist der Kollege der festen Überzeugung, etwas zum Teil anderes gesagt zu haben. Vielleicht habe ich ein Wort herausgehört, das er nie gesagt hat und ein Dritter hat wiederum einen ganz anderen Wortlaut in Erinnerung. Es begegnen sich unterschiedliche Wahrnehmungen einer Situation und für jeden war die eigene Beobachtung Wirklichkeit.

    Mit der reinen Beobachtung kann ich eventuell gar nicht so viel anfangen, weil sie ja auch nur Deutung ist und als wahr empfunden.

    Vielleicht könnte es mir eine innere Anspannung nehmen, wenn ich annehme, dass ich nie nicht deuten kann und auch als Beobachter eine Wirkung tendiere, eine Information verändere?

    Entscheidend ist die Wirkung, die ich erzielen möchte. Manchmal möchte man vielleicht sogar ganz bewusst provozieren, weil einem die Reibung das Eigene besonders stark spüren lässt und etwas aufbrechen kann, was durch eine "wohltemperierte" Herangehensweise, die beim Gegenüber allein Verständnis erzeugt, einfach nicht möglich ist?

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  6. Wenn Sie zu mir sagen: "Ich liebe Dich" und ich sage: "Du hast gesagt: 'Ich liebe Dich'", dann gebe ich exakt das wieder was Sie gesagt haben und was ich gehört habe.

    Würde ich sagen: "Anonym hat gesagt, er möchte mit mir schlafen, und er macht mich blöde an" dann gebe ich nicht das wieder was Sie gesagt haben, sondern was ich für mich deute.

    Mit der reinen Beobachtung schaffe ich in einem Konflikt eine gemeinsame Basis zur weiteren Kommunikation/Verbindung. Solange wir nicht vom "gleichen" sprechen/ausgehen dann werden wir solange miteinander sprechen bis wir die gleiche Basis gefunden haben, um dann im Konflikt weiter zu kommen.

    Die gewaltfreie Kommunikation provoziert nicht. Sie versucht eine Verbindung zum anderen aufzubauen. Und das beginnt beim gemeinsamen Ausgansgpunkt.

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  7. Lieber Georg,
    Danke für Deine Antwort - mich irritiert das englische "original" immer noch.
    für mich ist es you are listening too fast oder you listen too fast ....
    und eigentlich geht es ja nicht ums zuhören, sondern ums zu schnelle Re-Agieren, statt erst einmal innehalten, unterschieden in Beobachtung und Bewertung.

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  8. Hallo Anonym (tja, jetzt sind es ja zwei *smile*)

    Ich werde mir Mühe geben zu erklären wie ich dieses Zitat für mich deute.

    Für mich zielt dieses Zitat auf die Millisekunde zwiwchen dem "Gesagten" und MEINER Dekodierung ab. Noch bevor ich reagiere.

    Was kam bei mir an?

    Was hat meine Dekodiereinheit aus dem Satz "Viola du hast hier einen Fehler gemacht!" macht.

    Ich höre nur das Wort "Fehler" weil ich zu schnell aufgehört habe *zu Ende* zu hören.

    Ich höre zu schnell zu Ende, ich höre nur das was ich hören möchte.

    Ich höre nur das was meine "Synapsen" hören möchten.

    Ich höre nur das was mir meine Erfahrung hoch bringt.

    Und nach dem meine Dekodiereinheit gesagt hat "so, ich bin fertig mit dekodieren" reagiere ich und sage:

    "Mein Kollege macht mich vor anderen Kollegen nieder!"

    So kann es geschehen, dass ein an sich gewöhnliches Ereignis, ein banales Wort oder eine unbedeutende Geste, unter anderen Umständen unbemerkt geblieben wäre. Aber in dieser Situation eben alte Wunden wecken und/oder wieder aufbrechen lassen.

    Vllt. macht das der Begriff "dünkel" deutlicher was ich sagen möchte. Jemand der dünkelt, hat aufgehört zuzuhören, weil er ja sowieso weiß was der andere sagen will, und wartet darauf bis der andere aufhört mit reden damit er seinen Senf dazu geben kann. Was jedoch der andere tatsächlich sagt, also der Inhalt, ist uninteressant. Vllt. schnappt er ja das Wort "Fehler" auf und reagiert dann dementsprechend. Auch wenn er nicht zu Ende gehört hat. Vllt. Aber das ist dem Dünkler egal.

    Ich hoffe ich habe es verdeutlichen können, was *mir* dieses Zitat sagen möchte. Und wie geht es Dir jetzt damit?

    Grüßle Georg

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  9. Danke, Georg, für die anregende Diskussion und deine Impulse.

    Was sagt mir, dass ich mit meinem Gegenüber eine gemeinsame Basis gefunden habe zur weiteren Kommunikation?
    Dass sich die Erwartungen, was eine weiterbringende Basis ist, erfüllt haben? Jeder hat ja eine Vorstellung, was sich mit einem wertschätzenden Dialog verbindet, damit man sagen kann „So, jetzt sind wir an einem Punkt, wo wir bereichernd ansetzen können“.

    Was ist eine „reine Beobachtung“, lieber Georg?
    Für eine Beobachtung brauchen wir unsere Sinne. Sinne können uns täuschen und sie tun es auch ganz bestimmt. Allein schon unsere Farbwahrnehmung ist eine Illusion und Konstruktion unseres Gehirns. Zudem weiß ich nicht, ob der Andere z. B. ein Rot genauso wahrnimmt wie ich es tue.

    Ist eine „gemeinsame Kommunikationsgrundlage schaffen“ ein Einigen auf eine bestimmte Wirklichkeit, in der ich meinen Sinnen (bewusst/unbewusst) ein Angleichen signalisiere (so sie mir andere Reize übersetzten als mein Umfeld), ein Eichen auf EINE Wahrnehmung? Eine Meta-Konstruktion über einem individuellen Wahrnehmungsmodell?
    So ist am Ende ein befriedigendes kommunikatives Miteinander ein immerwährendes Angleichen?
    Ich denke da gerade an eine Sprache „Italienisch“, die ich nicht verstehe und ein bestimmtes Lied in dieser Sprache. Ich wog mich im Wohlklang dieser wunderschönen Sprachmelodie. Als man mir Jahre später die Worte übersetzt hatte, war ich irritiert, ob der mir befremdlichen Aussage des Textes. Fortan konnte ich dieses Lied nicht mehr mit den gleichen Ohren hören, wie zuvor. Manchmal möchte man nicht verstehen :-)

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  10. Hallo Anonym (hier ist der Autor des Beitrags vom 19.1. 10:51 gemeint.

    Ich bin hier jetzt etwas irritiert, da es ein paar Artikel von *Anonym* existieren. Da ich nicht weiß welcher Artikel und Folgeartikel von welchem Anonym ist und mir ein roten Faden, ein Zusammenhang der Artikel wichtig ist, möchte ich um Folgendes bitten: Können die anonymen Mitglieder mit ihren initialen abschließen. Z.B. sowas wie G.M. für Georg Mouratidis. Es macht es für mich leichter und hat eine einen persönliche Touch. Was mir persönlich wichtig ist.

    Danke
    Georg

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  11. Nochmal Hallo Anonym (hier ist der Autor des Beitrags vom 19.1. 10:51 gemeint).

    Ich möchte Dir schreiben, dass ich Deine Fragen die du mir hier stellst in einem neun Artikel (Mein Rot ist nicht Dein Rot) beantwortet habe.

    Ich habe hier eine innere Unruhe, dass dieser Ursprungsartikel in eine Richtung driftet die von mir nicht beabsichtigt ist/war.

    Gruß Georg

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  12. also mal ganz ehrlich.... ich persönlich finde es traurig, wenn man nicht einmal in der Lage ist, eine Diskussion unter dem eigenen Namen zu führen.

    Aber der Beitrag ansich hat mir sehr gut gefallen und für mich ist das zutat genauso wie es ist völlig schlüssig ;)

    LG Stefan

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